Ziele, Aufgaben und Mitglieder

Im Herbst 2020 wurde durch den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) ein Konzept erarbeitet, wie die Ordensgemeinschaften, die in der Deutschen Ordensobernkonferenz organisiert sind, in der unabhängigen Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen unterstützt werden können. Das Konzept wurde am 17. Mai 2021 mit einer gemeinsamen Erklärung verbindlich in Kraft gesetzt: Gemeinsame Erklärung zur verbindlichen Regelung für eine unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Ordensgemeinschaften

Gemäß der Gemeinsamen Erklärung wurde ein Ausschuss unabhängige Aufarbeitung berufen, der sich im März 2022 konstituiert hat und nachfolgende Aufgaben unabhängig von Weisungen wahrnimmt:

Aufgaben

  • Beratung der Ordensgemeinschaften im Prozess der unabhängigen Aufarbeitung,
  • Erarbeitung angemessener konzeptioneller Ansätze zur Aufarbeitung (Projektdesign),
  • Beratung zu möglichen unabhängigen Aufarbeitungsteams in Ordensgemeinschaften,
  • Begleitung des gesamten Aufarbeitungsprozesses u.a. durch Zwischen- und Endberichte,
  • Begleitung und Einschätzung der Berichte vor deren Veröffentlichung,
  • Beratung in Konfliktfällen,
  • Wahrnehmung und auf Wunsch Weiterleitung von Anliegen einzelner Betroffener oder Betroffenengruppen an zuständige interne oder unabhängige Ansprechpersonen.

Der Ausschuss wird durch ein Mandat der jeweiligen Ordensgemeinschaft tätig, die Mitglieder sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Jede Ordensgemeinschaft trägt die Verantwortung für ihren Aufarbeitungsprozess.

Auszug aus der gemeinsamen Erklärung zu Aufarbeitung:

1. Die unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, auch in Verbindung mit anderen Formen physischer, psychischer und spiritueller Gewalt, liegt primär in der Verantwortung der oder des jeweiligen Höheren Oberin/Höheren Oberen. Aufarbeitung meint die Erfassung von Tatsachen und Folgen von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in den jeweiligen Einrichtungen, die Identifikation von systemischen Strukturen in den Ordensgemeinschaften, die solche Taten ermöglicht, erleichtert oder deren Aufdeckung erschwert haben sowie den administrativen Umgang mit Täter_innen und Betroffenen.

2. Die Aufarbeitung soll einen institutionellen und gesellschaftlichen Reflexionsprozess anregen und aufrechterhalten, Betroffene an diesen Prozessen beteiligen und ihnen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Zugang zu den sie betreffenden Informationen und Unterlagen ermöglichen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen weitere Schlussfolgerungen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen gezogen und ein Beitrag zur gesamten kirchlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung geleistet werden.

Mitglieder & Geschäftsordnung

Der Ausschuss versteht sich als nicht hierarchisches Team

Vorsitzende Dr. Andrea Schleu
Stellvertreter Dr. Robert Köhler
Matthias Nitsch
Prof. Dr. Martin Rehak
Marie Anne Willemsen
Sr. Lioba Zahn OSB
Geschäftsstelle Martina Köß

Im Ausschuss sind u.a. folgende Qualifikationen vertreten:  Organisationsberatung, Supervision, Coaching, Projektentwicklung, Fachberatung zu sexualisierter Gewalt, Psychologie, Sozialpsychologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Traumatherapie, Kirchenrecht, Theologie sowie der Blick aus der Betroffenenperspektive.
Der Ausschuss hat sich eine Geschäftsordnung gegeben: Geschäftsordnung

Aktuelles, Presse, Medien

Aktuelles

05.10.2022: Aufbau / Erweiterung der Betroffenenbeteiligung (Aufruf durch den Ausschuss)

Wir möchten einen Ort der Vernetzung und gemeinsamen Interessensvertretung von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Bereich von Ordensgemeinschaften mit Blick auf unabhängige Aufarbeitung aufbauen. Wenn Sie sich von diesem Aufruf angesprochen fühlen und sich für ein Gelingen von Aufarbeitungsprozessen in Ordensgemeinschaften einbringen oder den Aufarbeitungsprozess verfolgen möchten, freuen wir uns, wenn Sie uns Ihr Interesse mitteilen (Siehe Betroffenenexpertise)

Im Ausschuss sind zwei Betroffene vorgesehen. Eine männliche Person ist bereits tätig, eine weitere Position ist leider noch vakant. Daher laden wir Sie herzlich ein, uns eine mögliche Bereitschaft zur Mitarbeit zu signalisieren.

Pressemitteilungen, Veröffentlichungen

16.03.2022: Der Ausschuss Aufarbeitung hat sich konstituiert: Orden.de
17.05.2021: Orden verpflichten sich auf Standards zur Aufarbeitung: Orden.deSüddeutsche.de katholisch.de

Knapp ein Jahr nach den katholischen Diözesen unterzeichnen nun auch die Ordensgemeinschaften eine Erklärung mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung. Die Erklärung setzt vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Strukturen und Rahmenbedingungen der Ordensgemeinschaften notwendige Standards und versteht sich als Ergänzung und Weiterentwicklung zu bereits etablierten Maßnahmen und laufenden Aufarbeitungsprozessen.

20.08.2020: Veröffentlichung der Mitgliederbefragung der DOK: Orden.de Bericht

Die DOK veröffentlicht die Ergebnisse einer Befragung unter ihren Mitgliedern zum Thema „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Ordensangehörige sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und zur Prävention“.

Betroffenenexpertise

Da Aufarbeitung nur mit aktiver und partizipativer Mitarbeit von Betroffenen gelingen kann, ist die Einbindung der Betroffenenexpertise eine unbedingte Voraussetzung für das Gelingen. Durch folgende Formen möchten wir den bereits bestehenden Einbezugerweitern. Betroffene sind eingeladen, uns ihr Mitwirkungsinteresse über diesen Rückmeldebogen mitzuteilen.

Mitarbeit im Ausschuss

Im Ausschuss sind zwei Betroffene vorgesehen. Eine männliche Person ist bereits tätig, eine weitere Position ist leider noch vakant. Daher laden wir Sie herzlich ein, uns eine mögliche Bereitschaft zur Mitarbeit zu signalisieren. Der Ausschuss trifft sich derzeit einmal im Monat online oder in Präsenz. Weitere Termine ergeben sich durch Besuche von Ordensgemeinschaften. Die Mitglieder des Ausschusses erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Unter den eingehenden Interessensbekundungen wird der Ausschuss eine Auswahl treffen. Eine Berufung wird entsprechend der Regelungen der Gemeinsamen Erklärung unter Einbeziehung externer Fachleute durch den Vorstand der DOK erfolgen.

Unterstützung der Aufarbeitungsprozesse in Ordensgemeinschaften

Viele Betroffene von Ordensgemeinschaften können sich derzeit nur schwer vernetzen, da die Vorfälle örtlich oder zeitlich weit auseinanderliegen. Daher ist es nicht einfach, die Betroffenenexpertise in die Aufarbeitungs­prozesse besonders in der Anfangsphase einer Aufarbeitung einzubringen. Wir suchen daher Betroffene, die stellvertretend in einen Aufarbeitungsprozess einer Ordens­gemeinschaft ihre Expertise als Betroffene einbringen und den Aufbau einer Betroffenenvertretung in dem jeweiligen Aufarbeitungsprozess unterstützen wollen.

Außerdem suchen wir Betroffene, die sich allgemein für das Gelingen von Aufarbeitungs­prozessen einbringen können und wollen. Dies kann das Einbringen der eigenen Aufarbeitungs­erfahrungen mit Ordens­gemeinschaften sein (was ist hilfreich, was ist hemmend), das kann das Evaluieren oder Entwickeln von Vorgehensweisen sein. Eine weitere Frage ist: Wann ist eine Aufarbeitung abgeschlossen und was sind die bleibenden Bedürfnisse der Betroffenen gegenüber der Ordensgemeinschaft?

Entsprechend der Resonanz auf diese Anfrage werden passende Arbeitsformen entwickelt.

Mitverfolgen des Aufarbeitungsprozesses in Ordensgemeinschaften

Wenn Sie Interesse haben, die Aufarbeitung in den Ordensgemeinschaften zu verfolgen, können Sie sich in unseren Informationsverteiler eintragen lassen. Sie werden dann ein- bis zweimal im Jahr über den Verlauf informiert. Wenn Sie Interesse an einer bestimmten Ordens­gemeinschaft haben, teilen Sie uns bitte auch dies mit. Auf Wunsch versuchen wir dann, Interessenten bezüglich der gleichen Ordensgemeinschaft zusammenzubringen.

Schritte für Ordensgemeinschaften, die eine unabhängige Aufarbeitung gemäß der „Gemeinsamen Erklärung“ anstreben

Gemäß einer 2020 von der DOK durchgeführten Mitgliederbefragung fanden Missbrauchstaten in einem Viertel der in der DOK organisierten Ordensgemeinschaften statt. Auch wenn viele von ihnen heute nicht mehr mit Kindern, Jugendlichen oder schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen arbeiten, sind sie in der Verantwortung Klarheit zu schaffen und die Vergangenheit aufzuarbeiten und begonnene Aufarbeitung zum Abschluss zu bringen:

Verantwortung zur Aufarbeitung

  • den Betroffenen gegenüber, damit diese gehört und ernst genommen und damit psychisch entlastet werden.
  • der Kirche gegenüber, damit sie ihren Auftrag der Verkündigung des Evangeliums erfüllen kann.
  • der Gesellschaft gegenüber, denn nur so, können Gläubige die Gesellschaft glaubwürdig mitgestalten.

Glaubwürdig sein heißt in diesem Kontext, sich der Vergangenheit zu stellen und diese nach vielen Jahren so weit, wie noch möglich aufzuklären. Betroffene sind ihr Leben lang mit der Einrichtung, dem Ort und der Tat verbunden und damit mit den Personen, die heute die Ordensgemeinschaft leiten.

Auch wenn der Prozess innerhalb der Ordensgemeinschaft, mit den Betroffenen und mit den Medien schwierig ist, wollen wir die Verantwortlichen ermutigen diesen mit uns zu gehen.

Sondierungsgespräch mit Ausschussmitgliedern

Ein erster Schritt, bevor eine Ordensgemeinschaft den Ausschuss beauftragt, kann ein Sondierungsgespräch sein. Der/die Ordensobere tauscht sich mit ein oder zwei Mitgliedern des Ausschusses über die bestehende Situation, ein mögliches Vorgehen, die Notwendigkeit und das Format einer Aufarbeitung aus. An dem Treffen können / sollten auch weitere Personen, z. B. Mitglieder der Ordensleitung, teilnehmen. Im weiteren Prozess ist auch ein Austausch im Rahmen eines Generalkapitels, Provinzkapitels o.ä. möglich.

Beauftragung des Ausschusses

Über die Geschäftsführung des Ausschusses oder die DOK kann die Bitte um Unterstützung zur Aufarbeitung an den Ausschuss herangetragen werden. Der Ausschuss bittet zu Beginn um das Ausfüllen eines "Steckbriefs", um einen ersten Überblick über die Sachlage zu erhalten (wenig oder viele Betroffene, Orte, Beschuldigte usw.).

Ein wichtiger Aspekt ist die Motivation für die Aufarbeitung, die sich durch eine Medienberichterstattung, Konflikte mit Betroffenen oder auch aus ordensinternen Gründen entwickeln kann. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur der oder die Ordensobere, sondern auch die Ordensmitglieder von der Notwendigkeit einer unabhängigen Aufarbeitung überzeugt sind. Im weiteren Prozess ist daher auch ein Austausch im Rahmen eines Generalkapitels, Provinzkapitels o.ä. möglich.

Der Ausschuss wird eine Delegation aus zwei oder drei Mitgliedern benennen, die die direkte Begleitung und Beratung der Ordensgemeinschaft in der Aufarbeitung übernehmen wird.

Organisation einer Betroffenenbeteiligung

Sobald die eigentliche Beratung durch den Ausschuss begonnen hat, sollten Betroffene der jeweiligen Ordensgemeinschaften in den Prozess eingebunden werden, sofern bereits Kontakte bestehen. Wenn noch keine Kontakte zu Betroffenen existieren, sollte dies in der Entwicklung des Projektdesigns beachtet werden und frühzeitig im folgenden Prozess behandelt werden.

Gemäß der Gemeinsamen Erklärung ist während des eigentlichen Aufarbeitungsprozesses die Einrichtung eines Betroffenenbeirates vorgesehen.

Entwickeln eines Projektdesigns und Beauftragung eines Berichtes / einer Studie

Die Aufgabe des Ausschusses ist es, gemeinsam mit der Ordensgemeinschaft, ein Aufarbeitungsteam zu finden und mit diesem gemeinsam das Projektdesign zielgerichtet abzustimmen und später im Sinne eines Controllings zu begleiten. Die Arbeit des Aufarbeitungsteams wird durch die jeweilige Ordensgemeinschaft finanziert.

Abschluss der Aufarbeitung

Die unabhängige Aufarbeitung schließt mit einem zu veröffentlichenden Bericht des beauftragten Projektteams ab. Der Ausschuss veröffentlicht eine eigene Einschätzung zum Abschlussbericht. Eine sich daran anschließende Weiterarbeit durch die Ordensgemeinschaft muss individuell erfolgen.